Stell Dir folgendes Horror-Szenario vor. Du wachst morgens auf, die Sonne scheint und der Blick zum Kalender verrät Dir, in vier Tagen ist Maikäfertreffen. Schlimm? Bisher nicht, aber wenn ein Blick in Deine Garage dann nur einen Haufen Einzelteile erkennen lässt, verlässt Dich auch der letzte Optimismus es noch schaffen zu können. Also suchst Du lieber nach etwas neuem. So geschehen im Jahre 2001 nach Christi unweit von Hannover. Pet the Popper und ich trafen uns zum Frühschoppen in der Halle und zerbrachen uns die Köpfe, wo wir auf die Schnelle eine coole Karre herbekommen können. Der Blick ins Portemonaie verhieß nichts gutes. Aber für unsere Ansprüche sollte auch etwas nicht so gutes, ja sogar etwas schlechtes reichen. Letztendlich wurde es etwas miserables. Ich erinnerte mich, dass mein Bekannter Herr Mielke (wessi) noch etwas im Angebot hatte. Ein Typ 3, allerdings war bei diesem Wagen der Name Mielke (ossi) Programm. 30Jahre DDR Aufenthalt hatten aus dem ehemaligen Volkswagen einen verdienten Veteranen des Volkes gemacht. Warscheinlich hatte Herr Mielke im Auftrag der Stasi einige Miezen in diesem Dienstwagen vernascht.  Die ehemals im Volkswagenwerk verarbeiteten Originalteile bildeten lediglich den Rahmen für einen ganzen Haufen Improvisationen, oder war es ein Haufen
Scheiße? Ein Typ 3 Baujahr ´63 !!! stand da ansatzweise vor uns, auf einer Bodengruppe aus Panzerplatten, Materialstärke 3mm. Die "poppige" Lackierung lies ihn aber aussehen, wie einen 100 jährigen Ronald McDonald. Aber gut, bei unserem Zeitplan musste einfach alles Scheißegal sein. Auch die Tatsache, dass unser gesunder Menschenverstand verzweifelt versuchte uns wachzurütteln. Es war passiert, wir kauften den Haufen und zwar zum super Schnäppchenpreis von nur 600Euro. Aber wie uns die Erfahrung lehrt sind astreine Historien ja auch ihr Geld wert. Es war mittlerweile Abend geworden und ohne Licht fuhren wir die Karre 30km nach Hause, im Nachhinein betrachtet war das gar nicht so schlecht, denn der Wagen war so schlecht, dass allen die ihn im Hellen gesehen hätten schlecht geworden wäre. Gegen 19Uhr war Ankunft in der Halle obwohl die Stadt Halle bestimmt das bessere Ziel gewesen wäre. Onno kam dazu und fand die Sache total geil. Eine Bestandsaufnahme folgte. Hier ein grobes Gedächtnisprotokoll; Ein Haufen Scheiße Namens Mister Ed, mit wenig Blech, absolut null Substanz und einer beschissenen Lackierung. Dazu Lada Plastik Türgriffe, Aufputzlichtschalter, Kabel am Auto außen verlegt, eine fehlende Rückbank und zwei Kunststoffkotflügel.
Gegen zehn Uhr hatten wir eine Einkaufliste zusammengestellt, die Restauration konnte also beginnen. Leider hatten wir vergessen ganz oben auf der Liste zu vermerken, dass wir eigentlich erstmal ein anderes Auto bräuchten, aber Schwamm drüber. Der Nächste Morgen kam und wir legten los. Nun brach die ganze Karre an allen Ecken und Enden fast auseinander. Wo man auch anfing, es wurde nur noch schlimmer und die Löcher immer größer. Pet cleante die Lada Türgriffe direkt in den Mülleimer. Aber die Erkenntnis, dass man auf Spachtel nicht Schweißen kann machte den Fall auch nicht einfacher. Den ganzen Tag hauten wir Rein wie die Irren und abends war dann doch so einiges schlimmer als vorher. Das schlimmste 15kg Spachtel waren aufgebraucht und kein Ende in Sicht. Die nicht ganz so großen Löcher wurden dann einfach mit Karosseriedichtmasse gefüllt. Onno ging mit dem Zeug um wie ein Künstler und seine Hände sind heute noch dicht. Wir kamen auf die geilste Idee der ganzen Aktion, nämlich in Wechselschichten zu arbeiten. Wir hatten fast nie alle gleichzeitig Zeit, aber jeder immer mal wieder, also arbeitete jeder soviel er konnte. Ich ging um acht, Onno kam um zehn, Pet war bis elf da und Onno ging um ein Uhr nachts wieder. Ich fing um sieben Uhr dreißig wieder an und so weiter.
Es tat sich etwas, das Unglaubliche geschah, der Wagen nahm langsam wieder Form an. Wir sind mittlerweile am letzten Tag angelangt, am nächsten Morgen muß er fertig sein. Irgendwie hatte ich mit Pet zwischendurch noch die Vorder- und die Hinterachse zerlegt und die Drehstäbe um hinten zwei und vorne drei Zähne verstellt. Als wir das Auto von der Bühne ließen, stand es sauber auf den Anschlaggummis und wir öffneten ein Bier. Es flogen uns aber nicht nur die Kronkorken um die Ohren sondern auch besagte Anschlaggummis. Dem Rost sei dank, lösten sich die Aufnahmen unter der Last des Wagens in Sekunden auf. Also wieder was zu Schweißen. Wo wir gerade dabei waren fand sich noch ein tolles Doppelendrohr von einem Volvo in meiner Garage, ein Endrohr fehlte eh noch und so baute ich einen tollen Mittelauspuff. Der Wagen war mittlerweile auch komplett abgeschliffen und total staubig. Ich beschloss das trockene Wetter für eine Entstaubungsfahrt zu nutzen. Ich bretterte wie nix Gutes über die Landstraße, ohne Kennzeichen, bald auch ohne Staub und wenig später sogar ohne Radschrauben, was der Fahrt dann doch ein abruptes Ende machte. Mit einem Radbolzen hinten rechts legte ich auf dem Parkplatz vor einem Sportplatz eine
gekonnte Chicagowende hin. Ein LKW der Stadtreinigung blieb von einem größeren Einschlag meinerseits gerade soeben verschont. Der Fahrer stieg aus und anstatt sich zu beschweren kam die übliche; "So einen hatte ich auch mal" Leier. Ich machte mich danach auf den Weg zurück zur Halle und sammelte dabei vier Radbolzen in regelmäßigen Abständen wieder ein. Irgendwann war ich dann incl. Auto wieder in der Halle und Pet und Onno kamen. Wir durchforsteten das Farbenlager, da war noch graue Bundeswehr Grundierung, 15Liter, das sollte reichen. Also nochmal ein paar Details nachgearbeitet und den ganzen Wagen damit übergerollt. Nur das Dach behielt seine Karos. Nils beschäftigte sich dann noch mit der Montage der Lichter und fing an die Elektrik zu überarbeiten, das war ein Fehler! Die Kabel lagen ja außen am Auto und waren somit gut zu verfolgen, aber der Aufputzlichtschalter unter dem Amaturenbrett gab schon zu denken. Letztendlich funktionierte um zehn Uhr abends doch alles. Licht vorne links über den original Schalter, Standlicht rechts über die Heizbare Heckscheibe und Licht vorne rechts incl. Rücklicht über den
Aufputzschalten. Toll! Somit erfüllte der Wagen ungefähr die StVZO. Die Straßenverkehrsordnung der Zone. Wir gingen nach vier Tagen totalem Autozirkus erstmal ins Bett. Der erste Mai! Wir trafen uns um sieben Uhr in der Halle, Pet, Onno, ich, eine Kiste Bier und etwas Pappe gegen den "leichten" Ölverlust. Nach 800m hielten wir zum ersten Mal an. Zwangsweise. Ursachenforschung! Der Tank war leer! Also ab zur Tanke, Sprit holen und dann ging es wie geschmiert. Die Tieferlegung erwies sich in Kurven in Verbindung mit der Serienbereifung als doch "leicht" übertrieben. Aber dank Kunststoffkotflügeln und total verhärteter Reifen schliff sich die Sache langsam ein. Wir rasten mit Tempo 120 Richtung Hannover und langsam machte die Sache Spaß. Das Motoröl hinterließ auch keine Spuren mehr auf der Strasse, weil es direkt auf den Auspuff tropfe und dort verbrannte, nach 20km wurde daraus ein kleines Feuer und wir machten mal wieder Pause, diesmal zum löschen. Erst den Motor, dann unseren Durst, und weiter. Wir ließen die A2 hinter uns und auch meinen Mittelauspuff. Also standen wir mal wieder ganz rechts und unser Auspuff lang ganz links. Onno hielt bewaffnet mit einem Bier den kompletten Verkehr der A7 an und holte das glühend heiße Teil zurück.
Nachdem er sich die Hand verbrannt hatte, benutzte er lieber seine Füße und schoss eine saubere Flanke, Heckklappe auf und TOR! Kurz vor dem Messegelände kamen wir dann in eine Stau aus luftgekühlten Fahrzeugen und niemand konnte sich ein Grinsen verkneifen als er uns sah. Wir fuhren links an allen vorbei und 20m vor der nächsten Tanksäule ging unser Motor aus, wir rollten aus und betankten unseren Bomber erneut. Das nenne ich perfekte Planung. Die letzten Meter gingen dann ganz locker von der Hand. Gegen neun Uhr parkten wir unsere Fuhre mitten auf dem Maikäfertreffen, wir hatten es geschafft. Die Bewunderung war groß unser Ego jetzt noch größer und so beschlossen wir sogar zu Dr. Meier Spellbrink auf die Bühne zu fahren. Der versuchte krampfhaft ernst zu bleiben und dachte doch glatt wir hätten den Wagen am Flughafen gefunden und die Türgriffe an der Garagenwand verloren, wir klärten ihn auf und hatten die Lacher auf unserer Seite. Irgendwie war die ganze Aktion, als wenn man versucht aus Scheisse Gold zu machen und es hat auch fast geklappt.

Onno auf dem High-Wheel vor unserem Low-Wheeler.

 

 

Mittlerweile ist der Wagen mehrfach verkauft worden und Onno hat ihn sogar nochmal auf einem Hänger gesehen, irgendwo nördlich von Hamburg. Die neuen Besitzer wollten ihn  komplett restaurieren, ja , das wollten wir auch. Mir bleibt nur noch viel Spass zu wünschen und bloß nicht verschrotten die Karre, wir kaufen ihn auf alle Fälle zurück! Was bleibt ist eine schöne Erinnerung an einen beschissenen Wagen.

Auf den Street Nationals Hannover durften wir sogar im Lowrider VIP Bereich parken. Wollten sie wohl zeigen, wie man es lieber nicht machen sollte??? Oder wollten sie unseren Kennzeichenmissbrauch honorieren?
Besagter 1.Mai, sichtlich erleichtert haben wir unsere endgültige Parkposition erreicht, der Pilot hat das Cockpit direkt danach schlagartig verlassen und wurde am Tresen gesichtet.